Input/Output im DSP: das richtige Signal zum richtigen Kanal

Dies ist Schritt 1 von 4 in unserem DSP-Guide. Wenn du mit dem Gesamtüberblick beginnen möchtest, findest du den Hauptguide hier:
Beginne damit, deine Eingänge zu verstehen
Inputs sind die Eingänge des DSP, also die Signale, die im DSP ankommen, bevor etwas an die Ausgänge weitergeleitet wird. Häufig entsprechen sie den physischen Anschlüssen am DSP, zum Beispiel RCA/Cinch, High-Level-Eingängen oder digitalen Eingängen. Interne Quellen wie Bluetooth oder USB können in der Software anders dargestellt werden, manchmal als Stereoquelle statt als separate physische Eingänge.
Outputs sind die physischen Ausgänge am DSP. Das kann über Low-Level-Ausgänge an einem dedizierten DSP, über High-Level-Ausgänge an einem DSP mit integrierter Endstufe oder über beides erfolgen. Diese sind in der Regel direkt am Ausgang benannt. Deshalb hilft es, schon beim Anschließen eine eigene Übersicht zu erstellen, welche Endstufe oder welcher Kanal an welchen Ausgang geht.
Bevor du mit dem Routing beginnst, musst du wissen, was jeder Input tatsächlich enthält. Ein Input kann das linke oder rechte Fullrange-Signal eines Nachrüstradios sein. In einem Originalsystem kann es aber auch ein bereits gefiltertes Signal für Türlautsprecher, Hochtöner, Centerlautsprecher oder Subwoofer sein.
Ausgänge benennen
Beginne damit, die Ausgänge in der DSP-Software zu benennen, wenn das möglich ist. Beispiel:
- Output 1: Front Left Tweeter
- Output 2: Front Right Tweeter
- Output 3: Front Left Midrange
- Output 4: Front Right Midrange
- Output 5: Rear Left Fullrange
- Output 6: Rear Right Fullrange
- Output 7: Subwoofer 1
- Output 8: Subwoofer 2
In einem normalen System bekommt die linke Seite das linke Signal und die rechte Seite das rechte Signal. In einem aktiven Zwei- oder Dreiwegesystem bedeutet das zum Beispiel, dass Input L an den linken Hochtöner, Mitteltöner und Midbass geht, während Input R an die entsprechenden rechten Kanäle geht.
In vielen DSP-Programmen, bei denen es zum Beispiel per Fernbedienung eine separate Lautstärkeregelung für den Subwoofer gibt, wirkt diese direkt auf die Kanäle, die als Subwoofer benannt sind. Andere Programme lassen frei einstellen, welche Kanäle geregelt werden sollen. Trotzdem ist eine korrekte Benennung deiner Kanäle immer sinnvoll.
Summierung von Eingängen
Manchmal müssen mehrere Inputs zu einem gemeinsamen Signal zusammengemischt werden. Das kann ein linkes und rechtes Signal sein, das zu einem Monokanal für den Subwoofer summiert wird, mehrere High-Level-Signale aus einem Originalsystem, die zu einem vollständigen Fullrange-Signal kombiniert werden, oder ein Center-/Monokanal, der im DSP separat behandelt werden soll.
Summierung sollte immer kontrolliert erfolgen. Werden zwei Signale mit vollem Pegel summiert, kann das Ergebnis zu stark werden und bereits im DSP clippen. Wenn du zum Beispiel ein linkes und rechtes Fullrange-Signal zu Mono summierst, ist ein üblicher Startpunkt, beide gleich stark, aber mit abgesenktem Pegel zu mischen, zum Beispiel 50 % pro Kanal oder -6 dB pro Kanal, wenn der DSP so arbeitet. So nimmst du die Informationen beider Seiten mit, ohne die Summierung zu übersteuern.
Bei Originalsystemen musst du zuerst prüfen, was jeder Input tatsächlich enthält. Zwei Signale, die vom Fahrzeug bereits getrennt, per EQ bearbeitet, zeitverzögert oder phasenbearbeitet wurden, können sich beim Summieren seltsam verhalten. Im besten Fall erhältst du ein vollständigeres Signal. Im schlimmsten Fall werden Teile des Klangs ungleichmäßig oder verschwinden. Deshalb sollte die Summierung von Originalsignalen immer getestet und kontrolliert werden, nicht auf gut Glück erfolgen.
Für den Subwoofer wird häufig ein Monosignal aus links und rechts erstellt. Hat die Monoblock-Endstufe zwei RCA-/Cinch-Eingänge, kann die Endstufe diese Summierung oft selbst übernehmen. Nutzt du aber einen dedizierten Subwoofer-Ausgang des DSP, muss der DSP das Monosignal erzeugen. Bei SPL-Aufbauten mit mehreren Endstufen oder Subwoofergruppen wird das besonders wichtig. Alle Subwoofer-Ausgänge müssen das richtige Signal und den richtigen Pegel bekommen und in dieselbe Richtung arbeiten. Sonst kann das System Schalldruck verlieren oder unnötig stark belastet werden.
High-Level aus dem Originalsystem
Wenn du ein High-Level-Signal aus einem Originalsystem verwendest, musst du zuerst prüfen, was jeder Input tatsächlich enthält. Bei vier Kanälen handelt es sich oft um vorne/hinten und links/rechts, manchmal mit einem recht vollständigen Signal. Bei mehr Kanälen kann es komplizierter werden.
Originalsysteme senden nicht immer ein Fullrange-Signal an alle Lautsprecher. Das Signal kann vom Fahrzeug bereits getrennt, per EQ bearbeitet, zeitverzögert oder im Pegel angepasst sein. Wenn du auf derselben Kanalaufteilung wie das Originalsystem aufbaust, zum Beispiel mit separaten Signalen für Hochtöner, Mitteltöner und Midbass, kann es manchmal am besten sein, diese Aufteilung in den DSP zu übernehmen und nur das zu korrigieren, was nötig ist.
Achte außerdem darauf, dass die Quelle so neutral wie möglich eingestellt ist, bevor du beginnst. Deaktiviere zusätzliche Klangmodi, Loudness, Bass Boost und EQ-Einstellungen, wenn das möglich ist, damit der DSP ein möglichst vorhersehbares Signal erhält.
Wenn du dagegen ein neues aktives System aufbauen oder ein eigenes Fullrange-Signal erzeugen möchtest, musst du zuerst prüfen, was jeder Originalkanal enthält. Dann muss der DSP eventuell mehrere Eingänge summieren, zum Beispiel originalen Midbass und Mittel-/Hochton, um ein vollständigeres Signal zum Arbeiten zu erzeugen.
Einen Kanal nach dem anderen prüfen
Beim Prüfen des Routings sollte die Lautstärke niedrig sein und die Kanäle sollten idealerweise stummgeschaltet bleiben, bis du sie einzeln testest. Sei besonders vorsichtig mit Hochtönern, Hornhochtönern, Treibern und anderen Chassis, die kein Fullrange-Signal vertragen. Wenn das Risiko besteht, dass sie ein Fullrange-Signal bekommen, setze zuerst einen temporären Hochpassfilter oder spiele sie erst ab, wenn die Trennung gesetzt ist. Ein falsch gerouteter Bass auf einen Hochtöner kann sehr schnell teuer werden.
Im Bild oben siehst du ein echtes Beispiel aus einer DSP-Software, bei dem AUX 1 dem Low-Level-Eingang 1 mit linkem Signal entspricht und AUX 2 dem Low-Level-Eingang 2 mit rechtem Signal entspricht:
- AUX 1 (Low-Level 1) - wird auf Kanal 1, 3, 5 und 7 verteilt
- AUX 2 (Low-Level 2) - wird auf Kanal 2, 4, 6 und 8 verteilt
- BT-L (Bluetooth links) - wird auf Kanal 1, 3, 5 und 7 verteilt
- BT-R (Bluetooth rechts) - wird auf Kanal 2, 4, 6 und 8 verteilt
Diese Einstellung bedeutet, dass sowohl Low-Level-Eingänge als auch Bluetooth-Streaming genutzt werden können. Das ist oft praktisch, wenn der DSP eine Fernbedienung zur Auswahl der Eingangsquelle hat. So kann man sowohl ein Low-Level-Signal nutzen als auch über die Fernbedienung direkt auf Bluetooth-Streaming zum DSP umschalten.
Nächster Schritt: Frequenztrennung
Wenn jeder Kanal an der richtigen Stelle, mit der richtigen Seite und mit einem sinnvollen Signal spielt, ist das Routing erledigt. Dann kannst du mit der Frequenztrennung weitermachen und weißt deutlich besser, was jeder Lautsprecher tatsächlich wiedergeben soll.
Nächsten Guide lesen:
Frequenztrennung im DSP: Filter und Flankensteilheit
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